Stakeholder der Biodiversität in der Schweiz

Ein Tool des Synthesezentrums Biodiversität

Die vorliegende Übersicht zu den Stakeholdern der Biodiversität in der Schweiz (kurz: Stakeholder-Tool) hat zum Ziel, weniger offensichtliche Stakeholder, welche den Stand der Biodiversität beeinflussen und die man in Projekte einbinden könnte, ausfindig und ersichtlich zu machen. Das Stakeholder-Tool wurde 2024/2025 von der Arbeitsgruppe Kommunikation des Synthesezentrums Biodiversität erarbeitet.

Das Stakeholder-Tool zeichnet die Stakeholder auf einer übergeordneten Ebene für die Lebensräume Agrar, Gebirge, Siedlung, Wald und Wasser in der Schweiz auf. Übergeordnet bedeutet, dass auf eine detaillierte Aufschlüsselung und Nennung sämtlicher beispielsweise Ingenieurbüros verzichtet wird. In den zwei Tabs Stakeholder Übersicht und Netzwerk können die Stakeholder, Stakeholdergruppen und Lebensräume in einer Tabelle gefiltert werden und in einem Netzwerk visuell dargestellt werden.

Trotz sorgfältiger Zusammenstellung erhebt das Stakeholder-Tool keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das Tool soll eine erste Übersicht verschaffen und als Ausgangslage zur Erarbeitung eigener, kontextspezifischer Akteurlisten dienen.

Die Excel-Datei sowie der R-Code für die vorliegende Shiny-App sind zur individuellen Bearbeitung auf der Webseite des Synthesezentrums Biodiversität verfügbar.

Unter Stakeholdern verstehen wir alle Gruppen, Organisationen, Institutionen oder Privatpersonen, welche von der Biodiversität und dem Umgang mit ihr direkt oder indirekt betroffen sind und/oder sie beeinflussen. Dazu gehören beispielsweise Gesetzesgebende wie das Bundesamt für Umwelt BAFU, eine lokale Naturschutzorganisation, welche eine bestimmte Fläche aufwertet und unterhält, oder etwa Grundstückbesitzende, die durch Ihre Gartengestaltung die Biodiversität fördern. Zur besseren Strukturierung der Stakeholder-Landschaft haben wir diese in unterschiedliche Stakeholdergruppen eingeteilt und sie Lebensräumen zugeordnet, in denen sie wirken.

In eine Stakeholdergruppe fallen die Stakeholder, welche ähnlichen Charakteristiken oder Funktionen aufweisen. Die Einteilung in Stakeholdergruppen erlaubt es, das System umfassender zu erklären. Es wird so etwa auf Gruppen aufmerksam gemacht, an welche man vielleicht nicht so schnell gedacht hätte.

Eine detailliertere Aufschlüsselung der Lebensräume ist weiter unten zu finden.

Die Einteilung der Lebensräumen orientiert sich an Standardwerk Lebensräume der Schweiz (Delarze, Gonseth, Eggenberg & Vust, 2015). Im Stakeholder-Tool werden die Lebensräume grob in fünf Kategorien Agrar, Gebirge, Siedlung, Wald, Wasser zusammengefasst, wobei sie teils überlappen können. So finden sich etwa Quellen auch in Gebirgen und ein Auenwald wird von den Dynamiken eines Gewässers beeinflusst. Krautsäume kommen an den Übergangszonen wie etwa Wald zu Wiesen vor oder sind an Auendynamiken gebunden. Gebirgs-Magerrasen oder Schneetälchen werden zum Teil landwirtschaftlich genutzt. Weiter sind Ruderalstandorte Pionierflächen nach Störungen und können in allen fünf Kategorien vorkommen.

Bezieht sich auf Flächen, welche durch landwirtschaftliche Tätigkeiten wie Mahd, Beweidung, Pflanzungen und Ackerbau genutzt werden. Hierzu gehören Pflanzungen, Äcker und Kulturen, die meisten Naturrasen, Wiesen und Weiden inkl. Sömmerungsgebiete, ausgewählte Krautsäume, Hochstaudenflure und Gebüsche.

Nach TypoCH handelt es sich um folgende Lebensräume:
  • 2. Ufer und Feuchtgebiete
    • 2.2 Flachmoore
      • 2.2.2 Kalkarmes Kleinseggenried (Braunseggenried)
      • 2.2.3 Kalkreiches Kleinseggenried (Davallseggenried)
      • 2.2.5 Schwemmufervegetation alpiner Wildbäche
    • 2.3 Feuchtwiesen
  • 4. Grünland
    • 4.0 Kunstrasen
    • 4.2 Wärmeliebende Trockenrasen
    • 4.3 Gebirgs-Magerrasen
      • 4.3.1 Blaugrashalde
      • 4.3.3 Rosteggenhalde
      • 4.3.5 Borstgrasrasen
      • 4.3.6 Buntschwingelhalde
      • 4.3.7 Krummseggenrasen
    • 4.5 Fettwiesen und -weiden
    • 4.6 Grasbrachen
  • 5. Säume, Gebüsche und Hochstauden
    • 5.2 Hochstauden- und Schlagfluren
      • 5.2.4 Hochstaudenflur des Gebirges
      • 5.2.5 Adlerfarnflur
    • 5.4 Zwergstrauchheiden
      • 5.4.1 Subatlantische Zwergstrauchheide (Ginsterheide)
  • 7. Pioniervegetation gestörter Plätze (Ruderalstandorte)
    • 7.1 Trittrasen und Ruderalfluren
      • 7.1.0 Tritt- und Trümmerflächen ohne Vegetation
      • 7.1.1 Feuchte Trittflur
      • 7.1.3 Subalpin-alpine Trittflur
      • 7.1.4 Einjährige Ruderalflur
      • 7.1.5 Trockenwarme Ruderalflur
      • 7.1.6 Mesophile Ruderalflur (Steinkleeflur)
      • 7.1.7 Alpine Lägerflur (Alpenblackenflur)
      • 7.1.8 Lägerflur der Tieflagen
  • 8. Pflanzungen, Äcker und Kulturen
    • 8.1 Baumschulen, Obstgärten und Rebberge
    • 8.2 Feldkulturen (Äcker)
Bezieht sich auf die Lebensräume ausserhalb der Agrar- und Waldzone, Wald- und Wytweiden, Alpen und Sömmerungsgebiete. Dazu gehören Gletscher, Fels, Schutt und Geröll, aber auch Karstfluren, Silikatfels-Pionierfluren des Gebirges sowie ausgewählte Fluren, Gebüsche und Heiden.

Nach TypoCH handelt es sich um folgende Lebensräume:
  • 2. Ufer und Feuchtgebiete
    • 2.2 Flachmoore
      • 2.2.5 Schwemmufervegetation alpiner Wildbäche
  • 3. Gletscher, Fels, Schutt und Geröll
    • 3.1 Gletscher, Firn- und Schneefelder
    • 3.2 Alluvionen und Moränen
    • 3.3 Steinschutt- und Geröllfluren
    • 3.4 Felsen
    • 3.5 Höhlen
  • 4. Grünland
    • 4.1 Pionierfluren auf Felsböden (Felsgrusfluren)
      • 4.1.2 Kalkfels-Pionierflur des Gebirges (Karstflur)
      • 4.1.3 Wärmeliebende Silikatfels-Pionierflur
      • 4.1.4 Silikatfels-Pionierflur des Gebirges
    • 4.3 Gebirgs-Magerrasen
      • 4.3.2 Polsterseggenrasen
      • 4.3.4 Windkantenrasen (Nacktriedrasen)
      • 4.3.6 Buntschwingelhalde
      • 4.3.7 Krummseggenrasen
    • 4.4 Schneetälchen
  • 5. Krautsäume, Hochstaudenfluren und Gebüsche
    • 5.2 Hochstauden und Schlagfluren
      • 5.2.3 Hochgrasflur des Gebirges
      • 5.2.4 Hochstaudenflur des Gebirges
    • 5.3 Gebüsche
      • 5.3.8 Gebirgs-Weidengebüsch
      • 5.3.9 Grünerlengebüsch
    • 5.4 Zwergstrauchheiden
      • 5.4.3 Subalpine Kalkheide (Erikaheide)
      • 5.4.4 Trockene subalpine Zwergstrauchheide
      • 5.4.5 Mesophile subalpine Zwergstrauchheide
      • 5.4.6 Alpine Windheide
Bezieht sich auf Gebiete, in denen bauliche Entwicklungen stattgefunden haben oder noch stattfinden werden. Dazu zählen unter anderem Kunstrasen, Ruderalstandorte, Gärten und Bepflanzungen sowie einzelne Bäume.

Nach TypoCH handelt es sich um folgende Lebensräume:
  • 2. Ufer und Feuchtgebiete
    • 2.0 Künstliche Ufer
  • 3. Gletscher, Fels, Schutt und Geröll
    • 3.3 Steinschutt- und Geröllfluren
      • 3.3.1.5 Trockenwarme Kalkschuttflur
      • 3.3.2.3 Trockenwarme Silikatschuttflur
  • 4. Grünland
    • 4.0 Kunstrasen
    • 4.1 Pionierfluren auf Felsböden (Felsgrusfluren)
      • 4.1.1 Wärmeliebende Kalkfels-Pionierflur
  • 5. Säume, Gebüsche und Hochstauden
    • 5.3 Gebüsche
      • 5.3.0 Naturferne Pflanzungen
      • 5.3.4 Brombeergestrüpp
  • 6. Wälder
    • 6.0 Forstpflanzungen
      • 6.0.3 Einzelbaum
  • 7. Pioniervegetation gestörter Plätze (Ruderalstandorte)
    • 7.1 Trittrasen und Ruderalfluren
    • 7.2 Anthropogene Steinfluren
  • 9. Bauten, Anlagen
Bezieht sich auf Forstpflanzungen, Bruch- und Auenwälder, Buchen- und andere Laubwälder, wärmeliebende Föhrenwälder, Hochmoorwälder und Gebirgs-Nadelwälder sowie auf ausgewählte Krautsäume, Hochstaudenfluren und Gebüsche.

Nach TypoCH handelt es sich um folgende Lebensräume:
  • 5. Krautsäume, Hochstaudenfluren und Gebüsche
    • 5.1 Krautsäume
    • 5.2 Hochstauden und Schlagfluren
      • 5.2.1 Kalkreiche Schlagflur
      • 5.2.2 Kalkarme Schlagflur
      • 5.2.4 Hochstaudenflur des Gebirges
    • 5.3 Gebüsche
      • 5.3.1 Besenginstergebüsch
      • 5.3.2 Trockenwarmes Gebüsch
      • 5.3.3 Mesophiles Gebüsch
      • 5.3.5 Gebüschreiche Vorwaldgesellschaft
  • 6. Wälder
    • 6.0 Forstpflanzungen
    • 6.1 Bruch- und Auenwälder
    • 6.2 Buchenwälder
    • 6.3 Andere Laubwälder
    • 6.4 Wärmeliebende Föhrenwälder
    • 6.5 Hochmoorwälder
    • 6.6 Gebirgs-Nadelwälder
Bezieht sich auf stehende, fliessende und unterirdische Gewässer sowie auf Quellen und Quellfluren, Ufer und Feuchtgebiete, ausgewählte Ufergebüsche und Auenwälder.

Nach TypoCH handelt es sich um folgende Lebensräume:
  • 1. Gewässer
    • 1.1 Stehende Gewässer
    • 1.2 Fliessgewässer
    • 1.3 Quellen und Quellfluren
    • 1.4 Unterirdische Gewässer
  • 2. Ufer und Feuchtgebiete
    • 2.1 Ufer mit Vegetation
    • 2.2 Flachmoore
    • 2.3 Feuchtwiesen
    • 2.4 Hochmoore
    • 2.5 Wechselfeuchte Pionierfluren
  • 3. Gletscher, Fels, Schutt und Geröll
    • 3.2 Alluvionen und Moränen
      • 3.2.1.0 Alluvionen ohne Vegetation
      • 3.2.1.1 Alluvion mit krautiger Pioniervegetation
  • 5. Säume, Gebüsche und Hochstauden
    • 5.3 Gebüsche
      • 5.3.6 Auen-Weidengebüsch
      • 5.3.7 Moor-Weidengebüsch
  • 6. Wälder
    • 6.1 Bruch- und Auenwälder
  • 7. Pioniervegetation gestörter Plätze (Ruderalstandorte)
    • 7.1 Trittrasen und Ruderalfluren
      • 7.1.1 Feuchte Trittflur
Herausgeberinnen Synthesezentrum Biodiversität, ETH, WSL, Eawag. Das Synthesezentrum Biodiversität – eine gemeinsame Initiative von WSL, Eawag und ETH Zürich, mit finanzieller Unterstützung des ETH-Rats – stärkt den Wissensaustausch zwischen Forschung und Praxis im Bereich Biodiversität und Naturschutz, indem es in Arbeitsgruppen praxisnahe Syntheseprodukte erarbeitet.
Autorin Ladina Steinegger, Arbeitsgruppe Kommunikation, Synthesezentrum Biodiversität.
Kontakt ladina.steinegger@wsl.ch
Version 1.0, Januar 2026
Fachliche Prüfung Fünf externe Fachpersonen (2025).
Vollständigkeit Trotz sorgfältiger Zusammenstellung erhebt das Stakeholder-Tool keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Anwendung Tabelle

Über die Filter können Stakeholder, Stakeholdergruppen und Lebensräume gezielt ausgewählt und in der Tabelle dargestellt werden. Eine Mehrfachauswahl ist möglich.


Filter
Tabelle
Anwendung Netzwerkanalyse

Das Netzwerk dient dazu, ein intuitives Verständnis für die Stakeholderkonstellationen in den Lebensräumen und nach unterschiedlichen Stakeholdergruppen zu schaffen. Die Anwendung erlaubt folgende Funktionen zur Darstellung:

① Die Auswahl zwischen einem bis fünf Lebensräumen.

② Eine Einschränkung auf Stakeholder in mehreren Lebensräumen.

③ Die Stakeholdergruppen-Boxen der Legende links der Visualisierung können angeklickt werden und die relevanten Stakeholder werden hervorgehoben und in der Box unter der Legende aufgelistet.

④ Stakeholderknoten können angeklickt werden, um den Namen und (falls vorhanden) die Verlinkung zur Webseite sichtbar zu machen.

Stakeholdergruppen

Hervorgehobene Stakeholder
Netzwerk